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IM VORDERGRUND | ARTIKEL – 4 Min

Weekly Market Update – Risikoprämie weiter rückläufig

By ANDREW CRAIG 22.06.2023

In diesem Artikel

    Investoren können weiter auf eine bessere Perspektive für ihr Risiko hoffen. Der S&P 500 Index hat sich seit seinem Tiefstand im Oktober letzten Jahres inzwischen um über 20 % erholt. Das Risikoprämieniveau im Zusammenhang mit US-Kreditmargen, Aktien und Volatilität ist in der vergangenen Woche gesunken. Unserer Ansicht nach ist die Risikobereitschaft übermäßig hoch. Wir halten eine defensivere Ausrichtung für angemessen.   

    Die Pause der Fed gibt Anlass zum Nachdenken

    Die Anleger haben weiterhin über die von der US-Notenbank angekündigte Pause bei der Straffung der Geldpolitik nach zehn aufeinanderfolgenden Zinserhöhungen nachgedacht. Die im Anschluss an die Fed-Sitzung veröffentlichten Daten zeigten einen starken Rückgang der Verbraucherpreis-Inflationserwartungen der University of Michigan.

    Die Erwartungen für die Inflationsrate des kommenden Jahres gingen von 4,2 % im Mai auf 3,2 % im Juni zurück. Das deutet darauf hin, dass sich die Sorgen der Verbraucher über die anhaltende Inflation verringern. Die langfristigen Inflationserwartungen gingen von 3,1 % im Mai auf 3 % im Juni leicht zurück. Diese Daten untermauern die Argumente für die jüngste Zinspause der Fed.

    Der jüngste ‚Dot Plot’ der Projektionen der geldpolitischen Entscheidungsträger der Fed zeigte jedoch einen starken Konsens darüber, dass in diesem Jahr zwei weitere Zinserhöhungen erforderlich sind, um die Inflation auf das Zielniveau von 2 % zu bringen.

    Der Fed-Vorsitzende Powell spielte in seiner Pressekonferenz am 14. Juni nach der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (Federal Open Markets Committee, FOMC) die restriktive Orientierung des Dot Plots etwas herunter.

    Am 21. Juni, im ersten Teil seiner halbjährlichen Anhörung vor dem Kongress, vermittelte Powell erneut eine ausgewogene Botschaft, die von den Märkten wahrscheinlich dahingehend interpretiert wird, dass das Ende des Straffungszyklus nahe ist. Seine Äußerungen ähnelten im Großen und Ganzen denen, die er auf seiner Pressekonferenz nach der FOMC-Sitzung im Juni gemacht hatte. Powell nutzte die Gelegenheit nicht, um einen restriktiveren Ton anzuschlagen.

    Unser makroökonomisches Forschungsteam rechnet mit einer weiteren Zinserhöhung der Fed, die den Leitzins im Juli auf 5,50 % anheben dürfte. Das Team geht davon aus, dass die Zinssenkungen im Dezember beginnen und sich Anfang des Jahres 2024 beschleunigen werden, wenn die US-Wirtschaft in eine leichte Rezession eintritt.

    EZB bleibt restriktiv

    Die Europäische Zentralbank hat letzte Woche ihren Leitzins wie erwartet von 3,25 % auf 3,50 % angehoben. Ohne die Prognosen wäre die Sitzung des EZB-Rates unspektakulär gewesen:

    Die EZB erhöhte ihre Prognose für die Kerninflation für 2024 um 0,5 % und hob die Prognose für die Gesamtinflation im Jahr 2025 auf 2,2 % an. Für diese Veränderungen scheinen die Lohnstückkosten verantwortlich zu sein, weshalb sich diese Prognose durch eine gewisse Beständigkeit auszeichnen dürfte. Es ist fraglich, ob die EZB ihre Meinung zur Kerninflation bis September ändern wird.

    Infolgedessen halten einige Beobachter ihre bisherige Erwartung einer weiteren Zinserhöhung im Juli jetzt für eine “Untergrenze” der Zinssätze. Sie haben ihre Prognose für den Endzinssatz dieses Zyklus auf 4% erhöht, wobei eine weitere Erhöhung um 25 Basispunkte im September wahrscheinlich ist.

    Unser Makroteam geht davon aus, dass die EZB die Zinsen im Juli noch einmal auf 3,75 % erhöhen und dann ab dem ersten Quartal des Jahres 2024 senken wird.

    Britische Inflation erneut überraschend hoch

    Der geldpolitische Ausschuss der Bank of England (BoE) tagte am 22. Juni. Die Finanzmärkte erwarteten eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Man rechnete mit einer restriktiven Haltung und diese Erwartung hat die BoE auch erfüllt. Sie erhöhte ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf 5 % und erreichte damit den höchsten Stand seit 2008.

    Es ist wahrscheinlich, dass die Sprache der Protokolle und wahrscheinlich auch die nachfolgenden Kommunikationen die Bereitschaft des MPC zur entschlossenen Handlung bekräftigen und darauf hinweisen werden, dass weitere Straffungsmaßnahmen anstehen. Vor der MPC-Sitzung hatten die Märkte angedeutet, dass eine knappe Mehrheit der Anleger mit einer Anhebung des Zinssatzes um einen Viertelpunkt rechnete, obwohl die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung um 0,50 % nach den jüngsten Belegen für die hartnäckig hohe britische Inflation gestiegen war. 

    Die am 21. Juni veröffentlichten britischen Daten für Mai zeigten, dass die Inflation im vierten Monat in Folge höher war als erwartet. Die Verbraucherpreisinflation (VPI) stieg im Mai mit 8,7 % genauso stark wie im April. Die Kerninflation (ohne Nahrungsmittel und Energie) beschleunigte sich unerwartet von 6,8 % auf 7,1 %.

    Dieser deutliche Anstieg der Kerninflation war unerwartet und veranlasste den MPC zu einem Zinsschritt von 50 Basispunkten. 

    Bank of Japan lässt ihre Zinskurvenkontrolle unverändert  

    Die BoJ hat auf ihrer Sitzung in der vergangenen Woche die Gelegenheit, ihre Zinskurvenkontrolle zu korrigieren, nicht wahrgenommen. Da die japanische Inflation jedoch weiterhin hoch ist, wird die Zentralbank in ihrem Juli-Bericht wahrscheinlich ihre Inflationsprognose für das Gesamtjahr von 1,8 % auf etwa 2,5 % nach oben korrigieren.

    Dies bedeutet, dass es bei der nächsten BoJ-Sitzung wahrscheinlich ‚hoch hergehen’ wird: Die Märkte erwarten höhere Inflationsprognosen und entsprechend eine Anhebung der Obergrenze für die Zinskurvenkontrolle zehnjähriger japanischer Staatsanleihen (JGB) von 0,5 % auf 1,0 %.  

    Ansonsten wurden in Asien auf der Sitzung des chinesischen Staatsrats am 16. Juni keine Einzelheiten zu möglichen Konjunkturmaßnahmen für die sich abschwächende Wirtschaft bekannt. Es gab lediglich eine Absichtserklärung, ‚härtere’ Maßnahmen einzuführen. Ein umfassenderes Paket muss möglicherweise bis zur Sitzung des Politbüros Ende Juli/Anfang August warten.

    Wenige Technologiewerte treiben US-Aktien nach oben

    Bei den US-Aktien verzeichnet der Technologiesektor weiterhin starke Zuflüsse. Der Sektor ist nach wie vor ein Favorit unter den Anlegern, und Large-Cap-Technologiewerte waren die Haupttriebfeder für die breite Rally der US-Aktien in diesem Jahr.

    Infolgedessen hat die dreimonatige Performance des S&P 500 gegenüber dem S&P Equal Weighted Index Rekordwerte erreicht. Dies deutet darauf hin, dass die Positionierung in diesem Sektor überzogen sein könnte.

    Die Zuflüsse in den Technologiesektor sorgten für kräftige Gesamtzuflüsse in nordamerikanische Aktien, während Europa mit Abflüssen während 13 aufeinanderfolgender Wochen hinterherhinkt.

    Anleger streben nach Risiko 

    Investoren scheinen einen positiveren Ausblick für riskante Anlagen zu spüren. Der S&P 500 ist seit seinem Tief im Oktober letzten Jahres inzwischen um mehr als 20 % gestiegen (siehe Diagramm 1). Die Risikoprämien für US-Unternehmensanleihespreads, Aktien und Volatilität haben sich in der vergangenen Woche in der Tat eingeengt.

    Nach Ansicht unseres Multi-Asset-Portfoliomanagementteams liegt die Risikobereitschaft der Anleger nahe an der Grenze zur extremen Risikobereitschaft, was ein defensiveres Engagement rechtfertigt.

    Disclaimer

    Bitte beachten Sie, dass diese Artikel eine fachspezifische Sprache enthalten können. Aus diesem Grund können sie für Leser ohne berufliche Anlageerfahrung nicht geeignet sein. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein. Private Assets sind Anlagemöglichkeiten, die über öffentliche Märkte wie Börsen nicht verfügbar sind. Sie ermöglichen es Anlegern, direkt von langfristigen Anlagethemen zu profitieren, und können Zugang zu spezialisierten Sektoren oder Branchen wie Infrastruktur, Immobilien, Private Equity und anderen Alternativen bieten, die mit traditionellen Mitteln schwer zugänglich sind. Private Assets bedürfen jedoch einer sorgfältigen Abwägung, da sie in der Regel ein hohes Mindestanlageniveau aufweisen und komplex und illiquide sein können.

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