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IM VORDERGRUND | ARTIKEL – 4 Min

Wöchentliches Markt-Update: Ein Neujahrsvorsatz: geldpolitische Lockerung statt „straffer für länger“

chi lo
By CHI LO 18.01.2024

In diesem Artikel

    Ende 2023 gingen die Finanzmärkte mit 80%iger Wahrscheinlichkeit von fünf Zinssenkungen in den USA ab März 2024 aus. Nur wenige Wochen nach Beginn des Neuen Jahres ist die Wahrscheinlichkeit auf etwa 60 % gesunken. Den Anlegern scheint zu dämmern, dass diese hohen Erwartungen, die die jüngste Rally beflügelt hatten, wohl übertrieben waren und auf der Einpreisung zu vieler guter Nachrichten beruhten.   

    Das Protokoll der Dezember-Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed (FOMC), das zu Beginn dieses Monats veröffentlicht wurde, schuf keine wirkliche Klarheit über die US-Geldpolitik, abgesehen von der Bestätigung der Auffassung, dass sich die Zinsen „auf oder nahe ihrer Höchststände“ befinden. Das bedeutet, dass die Zinssenkungen, die der Markt für dieses Jahr erwartet, nicht unbedingt beschlossene Sache sind.

    Andere große Zentralbanken haben die Hoffnungen auf Zinssenkungen ebenfalls gedämpft. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England blieben in ihren geldpolitischen Mitteilungen zum Jahresende „hawkish“. Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde räumte ein, dass die Zinsen in der Eurozone möglicherweise ihren Höchststand erreicht haben, unterstrich jedoch auch die Abhängigkeit der Zentralbank von den Wirtschaftsdaten und verwies auf anhaltende Unsicherheiten und Inflationsindikatoren, die sich nicht verlässlich auf einem für die EZB akzeptablen Stand befinden.

    Aufgrund der unsicheren makroökonomischen und geldpolitischen Zukunftsperspektiven bleiben wir in Bezug auf Aktien bei unserer vorsichtigen Haltung (Einstufung jedoch von „ablehnend“ auf „neutral“ geändert). In Anleihen mit langer Duration und inflationsindexierten Anleihen sind wir übergewichtet, um uns gegen die Kombination von sich verlangsamendem Wachstum und hartnäckiger/steigender Inflation abzusichern.

    Was hat sich im Dezember geändert?

    Die US-Konjunkturdaten haben weitgehend positiv überrascht: Der jüngste Kern-Verbraucherpreisindex (vom Dezember) stieg um 31 Bp auf 3,9 %, und die Anzahl der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung zeigt immer noch eine günstige Arbeitsmarktlage. Das Wachstum in der Eurozone ist nach wie vor enttäuschend, und der Anstieg der Inflation und der Arbeitskosten nach wie vor zu hoch, um die EZB zu beruhigen. Lediglich die schwachen Wachstumsbedingungen in China senden ein klares Signal für eine Lockerung der Geldpolitik.

    Die US-Beschäftigungsdaten deuten weiterhin darauf hin, dass die Arbeitsmärkte nach wie vor in guter Verfassung sind. Der Anstieg der Beschäftigtenzahlen ohne Landwirtschaft hat sich von einem Monatsdurchschnitt von 220 000 im 2. und 3. Quartal 2023 auf einen immer noch robusten Durchschnitt von 165 000 im 4. Quartal verlangsamt. Die Dezember-Daten überraschten mit einem Anstieg der Beschäftigtenzahlen um 216 000.

    Ein weiterer Beleg für „langsameres Wachstum, aber keine Rezession“ in den USA sind die kontinuierlich eingehenden Anträge auf Arbeitslosenunterstützung. Trotz eines Trends nach oben, blieben die Zahlen für Erstanträge niedrig (siehe Abbildung 1). Dies deutet darauf hin, dass entlassene Arbeitnehmer zwar schwer wieder Arbeit finden, es jedoch nicht zu neuen Entlassungswellen kommt.

    Dieses Arbeitsmarktumfeld bestärkt uns in der Einschätzung, dass die Fed – sofern es nicht zu ernsthaften finanziellen Spannungen oder negativen Überraschungen bei der Inflation kommt – ihre erste Senkung der Leitzinsen eher im Mai/Juni als im März vornehmen dürfte. 

    Der Arbeitsmarkt in Europa scheint noch robuster zu sein als in den USA. Mit 5 % im Jahresvergleich ist der Anstieg der Arbeitskosten höher als in den USA (etwa 4,0 %). Der Anstieg dieser Kosten verlangsamt sich zwar, ist aber noch nicht mit dem EZB-Ziel einer stabilen Kerninflationsrate von 2,0 % vereinbar. Deshalb rechnen wir nicht damit, dass ein Schwenk hin zu einer lockereren Geldpolitik unmittelbar bevorsteht.

    Eine neue Quelle des Inflationsdrucks?  

    Inzwischen bergen die geopolitischen Risiken – Angriffe auf Schiffe im Roten Meer sowie der Nahostkonflikt – die Gefahr einer neuen Krise in der Energielieferkette, die die Energie- und Handelskosten in die Höhe treibt und die Inflation anheizt.

    Wenn die Auswirkungen dieser Konflikte nur von kurzer Dauer oder lokal begrenzt sind, dürfte die von den Zentralbanken in den letzten zwei Jahren verfolgte straffere Geldpolitik in den kommenden Monaten die Nachfrage und die Inflation bremsen. Die Frage wäre dann, wann, nicht ob, die Zinssenkungen beginnen.

    China braucht mehr geldpolitische Lockerung

    Chinas vermehrte Lockerungsmaßnahmen in den letzten zwei Jahren haben nicht dazu beigetragen, die schwache Wirtschaft des Landes zu drehen. Gut, Peking will aus dem alten, durch Schulden angeheizten Modus der Angebotserweiterung herauskommen. Es ist bereit, ein langsameres Wachstum hinzunehmen und sich auf Strukturreformen und Schuldenabbau zu konzentrieren. Mit dieser Politik läuft China jedoch Gefahr, die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft gegenüber negativen Schocks zu überschätzen und die Wiederaufschwungsdynamik leidet.

    Peking hat erkannt, dass die Probleme auf dem chinesischen Immobilienmarkt das Deflationsrisiko erhöhen, und hat deshalb vor allem folgende Maßnahmen zur Stabilisierung des Sektors verstärkt: Beschleunigung bei der Renovierung von Siedlungen und dem Bau von Sozialwohnungen, Lockerung der Beschränkungen für Immobilientransaktionen, Senkung der Hypothekenzinsen und Aufstockung der Finanzmittel für rentable nichtstaatliche Bauträger.

    Die People’s Bank of China hat einen Plan zur Bereitstellung von mehr als 1 Billion RMB zur Finanzierung von Immobilien- und Infrastrukturinvestitionen in Großstädten angekündigt und eine „Whitelist“ von 50 Bauträgern erstellt, die für eine Kreditförderung in Frage kommen.

    Das Risiko dabei ist jedoch der Zeitpunkt der Umsetzung. Die Durchführung eines Großteils dieser Maßnahmen steht zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Berichts noch aus.

    Es ist erwiesen, dass entschlossene politische Anreize und Wirtschaftsreformen die Gefahr einer Deflation verringern können, wenn der private Sektor nicht investiert. In den Jahren 1998-99 erlebte China aufgrund von Überkapazitäten in der Industrie und unbefriedigender Nachfrage während der asiatischen Finanzkrise sieben Quartale der Deflation.

    Um aus diesem ökonomischen Sumpf herauszukommen, erhöhte Peking sein Haushaltsdefizit durch die Ausgabe langfristiger Bauanleihen, steigerte die Produktivität durch Strukturreformen und schuldete um, indem es staatliche Banken rekapitalisierte und Vermögensverwaltungsgesellschaften für zweifelhafte Forderungen gründete.

    Diese Politik hat damals funktioniert: BIP-Wachstum und Preisanstieg wurden wieder angekurbelt (siehe Abbildung 2). Wenn es Peking diesmal gelingt, seine entschlossene geldpolitische Lockerung beizubehalten, das Vertrauen wiederherzustellen und die Märkte davon zu überzeugen, dass sich die Aussichten für China verbessern, besteht unserer Meinung nach eine gute Chance auf eine nachhaltige Erholung des Wirtschaftswachstums und der Aktienmärkte im Jahr 2024. Andernfalls könnten wir mit weiterhin niedrigem Wachstum und schwächelnden Kursen konfrontiert werden.

    Ein Neujahrsvorsatz

    Hoffen wir, dass die Aussicht auf Zinssenkungen der wichtigsten Zentralbanken und weitere Maßnahmen der chinesischen Politik dazu beitragen, einen größeren globalen Wirtschaftsabschwung abzuwenden.

    Die asiatischen Zentralbanken werden wohl die Zinssätze vor der Fed senken können, da die durchschnittliche Inflationsrate in dieser Region viel niedriger ist als in den wichtigsten Industrieländern einschließlich USA. 

    Dies stützt unsere konstruktive Sicht auf die Marktaussichten für die asiatischen Schwellenländer im Rahmen unserer insgesamt neutralen Haltung gegenüber Aktien.

    Rechtshinweis

    Bitte beachten Sie, dass diese Artikel eine fachspezifische Sprache enthalten können. Aus diesem Grund können sie für Leser ohne berufliche Anlageerfahrung nicht geeignet sein. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein. Private Assets sind Anlagemöglichkeiten, die über öffentliche Märkte wie Börsen nicht verfügbar sind. Sie ermöglichen es Anlegern, direkt von langfristigen Anlagethemen zu profitieren, und können Zugang zu spezialisierten Sektoren oder Branchen wie Infrastruktur, Immobilien, Private Equity und anderen Alternativen bieten, die mit traditionellen Mitteln schwer zugänglich sind. Private Assets bedürfen jedoch einer sorgfältigen Abwägung, da sie in der Regel ein hohes Mindestanlageniveau aufweisen und komplex und illiquide sein können.

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