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IM VORDERGRUND | ARTIKEL – 3 Min

Wöchentliches Markt-Update – Steigende Anleiherenditen – Was steckt dahinter?

By ANDREW CRAIG 05.10.2023

In diesem Artikel

    Der Ausverkauf an den globalen Anleihemärkten setzte sich diese Woche fort, woraufhin die Finanzierungskosten auf ihren höchsten Stand seit mindestens zehn Jahren stiegen. Die Kombination aus steigenden Zinsen, hohen Ölpreisen und einem stärkeren Dollar führen womöglich zu einer härteren Landung für die US-Wirtschaft als erwartet.   

    Die Renditen von Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten steigen weiter

    Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterten diese Woche auf 4,88%, ihren höchsten Stand seit 2007, was einem Anstieg um rund 100 Basispunkte gegenüber ihrem Stand vom Juli entspricht. Allein in den letzten beiden Wochen ist die Rendite der als Benchmark geltenden zehnjährigen US-Staatsanleihe im Rahmen einer umfassenden Verschiebung der Renditen von Anleihen mit längeren Laufzeiten um etwa 50 Basispunkte gestiegen. Während die Inversion der US-Renditekurve im Juli noch bei rund 108 Basispunkten lag (dadurch wird ausgedrückt, in welchem Maß die Renditen zweijähriger Anleihen die Renditen zehnjähriger Anleihen übertreffen),ist der Unterschied auf 32 Basispunkte zurückgegangen, die geringste Inversion der Renditekurve seit fast 12 Monaten. 

    Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen stiegen diese Woche um beachtliche 3%, bevor sie wieder fielen. Der Anstieg der Anleiherenditen ist in erster Linie auf steigende Realrenditen zurückzuführen.  Die Realrenditen zehnjähriger US-Anleihen stiegen auf 2,325%, ihren höchsten Stand seit 2008 (siehe Abbildung 1).

    Anhaltende Diskussionen über die Faktoren, die zu dem Anstieg der Anleiherenditen führten

    Das Angebot an globalen Staatsanleihen befindet sich nach wie vor auf einem historischen Höchststand. In den USA können sich die Haushaltsdefizite durchaus weiter ausweiten, da die nachlassende Wachstumsdynamik zu geringeren Steuereinnahmen führt.

    In Europa werden die anhaltenden Haushaltsdefizite in Verbindung mit einer möglichen Beschleunigung des quantitativen Straffungsprogramms der Europäischen Zentralbank wahrscheinlich dafür sorgen, dass das Nettoangebotsvolumen auf hohen Niveaus bleibt.

    Aufgrund der Unsicherheit rund um neutrale Zinssätze sind die Marktteilnehmer erneut davon überzeugt, dass die Zentralbanken die Leitzinsen zwar nicht unbedingt weiter erhöhen müssen, aber dass sie sie zumindest über längere Zeit auf hohen Niveaus belassen müssen. Über den Renditen auf Staatsanleihen mit langer Laufzeit liegende Leitzinsen können Anleger davon abhalten, die Duration ihrer Portfolios zu erhöhen.

    Entwicklung der globalen Liquidität

    Die Überschussreserven der internationalen Zentralbanken werden wahrscheinlich bis zum Jahresende sowie im Jahr 2024 zurückgehen. In den USA setzt sich die quantitative Straffung fort und dürfte trotz Zinssenkungen bis 2025 anhalten.

    In der Eurozone ist es wahrscheinlich, dass sich der Abbau der Bilanz beschleunigen wird, da die Europäische Zentralbank beschlossen hat, die Wiederanlagen im Rahmen des Pandemie-Notkaufprogramms (PEPP) Anfang 2024 zu beenden, anstatt Bestände im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms (APP) aktiv zu verkaufen.

    Der Bank of Japan bleibt durch die aktuelle Inflationsprognose nur ein begrenzter Handlungsspielraum. Daher ist es unwahrscheinlich, dass sie ihre Bilanz vor der ersten Anhebung der Leitzinsen, die im zweiten Quartal 2024 erfolgen könnte, normalisieren wird.

    Government Shutdown (Stillstand der Regierungsgeschäfte) in den USA vorerst abgewendet

    Ein Kompromiss wurde erreicht, um die Handlungsfähigkeit der US-Regierung bis zum 17. November zu gewährleisten. Dadurch wird die unmittelbare Bedrohung einer weiteren (wenn auch moderaten) Belastung des BIP-Wachstums in den USA vermieden; außerdem werden die US-Konjunkturdaten wie gewohnt veröffentlicht. Allerdings bedeutet die Absetzung des Repräsentantenhaus-Sprechers Kevin McCarthy, dass die Arbeit zur Verabschiedung von Gesetzen bis zum Fristablauf am 17. November ruht und damit die Gefahr eines Shutdowns zu diesem späteren Zeitpunkt steigt.

    Alle Augen richten sich auf die US-Arbeitsmarktzahlen

    Die Entwicklungen am Arbeitsmarkt bleiben entscheidend für die Ermittlung der Aussichten für die US-Wirtschaft. Der Konsens erwartet einen Anstieg der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft um 150.000 im September, was der geringste Anstieg seit drei Monaten wäre. Grund dafür ist ein unerwarteter sprunghafter Anstieg der im JOLTS-Bericht (Job Openings and Labor Turnover Survey, JOLTS) veröffentlichten Stellenausschreibungen, der hauptsächlich den Sektor Unternehmensdienstleistungen betraf. Infolgedessen lag das Verhältnis zwischen den Stellenausschreibungen und den Arbeitslosen – eine wichtige Kennzahl der Fed für das Ungleichgewicht zwischen den offenen Stellen und dem Markt – im August bei 1,5, immer noch über den Niveaus von vor der Pandemie. Die Fortschritte bei der Wiederherstellung des Gleichgewichts waren nicht so gut wie wir dachten.

    Höhere Zinsen fordern ihren Tribut

    Die Umfrage zu den Bankkonditionen der Fed von Dallas vom September ergab, dass sich die Kreditvergabestandards weiter verschärfen, und zwar noch etwas schneller als im August. Die Kreditnachfrage ging weiter zurück und die Anzahl notleidender Kredite stieg. Die breiter gefasste Kreditumfrage (Senior Loan Officer Opinion Survey) der Fed wird am 6. November veröffentlicht.

    Wirken sich stärkere Konjunkturprobleme allmählich auf die Ölpreise aus?

    Die Ölpreise sind auf rund 90 USD pro Barrel gestiegen, was einem Anstieg um über 25% seit Juni entspricht. Sie schienen auf ein Niveau von 100 USD pro Barrel zuzusteuern, fielen diese Woche jedoch wieder, vielleicht aufgrund von Bedenken, dass der starke Anstieg der Finanzierungskosten das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen wird.

    Die stagflationären Konsequenzen des jüngsten Anstiegs der Ölpreise stützen die These, dass die Zentralbanken ihre Strategie, die Zinsen für längere Zeit auf hohem Niveau zu belassen, fortsetzen werden. Unser makroökonomisches Team geht immer noch davon aus, dass sowohl die Fed als auch die EZB ab Mitte 2024 die Zinsen senken wird, aber angesichts der höheren Gesamtinflation aufgrund des Anstiegs der Ölpreise ist eine frühere Zinssenkung unwahrscheinlich. Falls es Anzeichen dafür gibt, dass die höheren Ölpreise zu einem Anstieg der Inflationserwartungen beitragen und zu Zweitrundeneffekten bei der Kerninflation führen, steigt die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen wieder.

    Rechtshinweis

    Bitte beachten Sie, dass diese Artikel eine fachspezifische Sprache enthalten können. Aus diesem Grund können sie für Leser ohne berufliche Anlageerfahrung nicht geeignet sein. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein. Private Assets sind Anlagemöglichkeiten, die über öffentliche Märkte wie Börsen nicht verfügbar sind. Sie ermöglichen es Anlegern, direkt von langfristigen Anlagethemen zu profitieren, und können Zugang zu spezialisierten Sektoren oder Branchen wie Infrastruktur, Immobilien, Private Equity und anderen Alternativen bieten, die mit traditionellen Mitteln schwer zugänglich sind. Private Assets bedürfen jedoch einer sorgfältigen Abwägung, da sie in der Regel ein hohes Mindestanlageniveau aufweisen und komplex und illiquide sein können.

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