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IM VORDERGRUND | ARTIKEL – 4 Min

Wöchentliches Markt-Update – Wandel in der Geldpolitik: Ist es schon soweit?

chi lo
By CHI LO 23.11.2023

In diesem Artikel

    In den Industrieländern hat sich das Tempo der Inflation verlangsamt, während die wirtschaftliche Schwäche Chinas einen ‚Schmerzpunkt’ erreicht zu haben scheint, der endlich die Aufmerksamkeit Pekings geweckt hat. Für die Finanzmärkte stellt sich die große Frage, ob letztendlich die ersten Anzeichen für einen Übergang zur Lockerung der Geldpolitik deutlich werden. Die Zentralbanken der Industrieländer sind immer noch vorsichtig – sie wollen die Zinssätze nicht zu früh zu senken. Die chinesische Zentralbank hat sich dagegen in letzter Zeit selbstbewusster gezeigt.   

    Die Inflation ist zwar zurückgegangen …

    Das Hauptaugenmerk der Märkte liegt nach wie vor auf der Inflation. Die in der vergangenen Woche aus Europa, dem Vereinigten Königreich und den USA gemeldete Entwicklung der Verbraucherpreise hat diejenigen, die eine Abschwächung des Inflationsdrucks erwartet hatten, nicht enttäuscht.

    Die Gesamt- und Kerninflationsraten der US-Verbraucherpreise gingen im Oktober im Jahresvergleich von jeweils 3,7 % im September auf 3,2 % bzw. von 4,1 % auf 4,0 % zurück. Entscheidend ist, dass die ‚Super-Kerninflation’ (d. h. die Inflation bei den Kerndienstleistungen ohne Unterkunft und Gesundheitsversorgung) – die Messgröße, die die die Entscheidungsträger der US-Notenbank als am wichtigsten ansehen – im Vergleich zum Vormonat nur um 0,2 % gestiegen ist. Die US-Aktien machten einen regelrechten Freudensprung und stiegen am Tag der Bekanntgabe um fast 2,0 %.

    Der rückläufige Inflationstrend deutet darauf hin, dass die Fed ihre Prognose für die Kerninflation für das Jahr 2023 zum Jahresende nun nach unten korrigieren könnte, wenn sie auf ihrer Sitzung am 12. und 13. Dezember neue Prognosen veröffentlicht. Unseres Erachtens wird dadurch die (ohnehin schon geringe) Aussicht auf eine weitere Zinserhöhung noch geringer, zumindest im Moment.

    Auch in Europa verlangsamte sich die Gesamtinflation. Sie fiel im Oktober auf 2,9 % gegenüber 4,7 % im September, während die Kerninflation von 4,7 % auf 4,2 % zurückging.

    Selbst im Vereinigten Königreich, das unter den großen Volkswirtschaften mit dem stärksten Inflationsdruck konfrontiert ist, sanken die Gesamt- und die Kerninflation im Oktober auf jeweils 4,6 % bzw. 5,7 % im Vergleich zu jeweils 6,7 % bzw. 6,1 % im September.

    … aber die Kristallkugel bleibt trüb

    Die führenden Zentralbanken bleiben jedoch vorsichtig aggressiv und warnen, dass künftige geldpolitische Entscheidungen von der Stärke der Wirtschaft und den Fortschritten bei der Erreichung ihrer Inflationsziele abhängen. Sie sind darauf angewiesen, dass die derzeitigen straffen Finanzierungsbedingungen anhalten. Ihre Kristallkugel für Inflationsprognosen bleibt unterdessen trüb.

    Trotz des jüngsten Rückgangs liegt die Kerninflation in allen großen Industrieländern immer noch weit über den Zielen der Zentralbanken (siehe Abbildung 1). Das deutet darauf hin, dass in diesen Volkswirtschaften eine Periode unterdurchschnittlichen Wachstums notwendig sein könnte, um die Kerninflation wieder auf das 2,0 %-Ziel zu bringen.

    Die wichtigsten Inflations- und makroökonomischen Indikatoren für die USA (und die anderen großen Zentralbanken) signalisieren (noch) nicht durchgängig eine Verlangsamung. In den USA gibt es offensichtlich keine eindeutigen Anzeichen dafür, dass die Verbraucher einen Rückgang der Inflation in Richtung der Ziele der Zentralbank erwarten. 

    Die Inflationsprognosen des Survey of Professional Forecasters der Federal Reserve Bank of Philadelphia für das vierte Quartal 2023 zeigen, dass die Gesamtinflation der Verbraucherpreise in den nächsten 10 Jahren durchschnittlich 2,4 % betragen dürfte. Dies steht im Gegensatz zu der höheren Durchschnittsrate (3,2 %), die sich aus der Umfrage der Universität Michigan zu den fünf- bis zehnjährigen Inflationserwartungen in diesem Monat ergibt. Darüber hinaus ist der von der University of Michigan ermittelte Wert seit September 2023 um beachtliche 40 Basispunkte gestiegen.

    Auch die unklaren US-Beschäftigungsdaten rechtfertigen die Zurückhaltung der Fed. Zwar überraschte die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft im Oktober mit einem Rückgang, doch blieb das Beschäftigungswachstum im Dreimonatsdurchschnitt immer noch stark. Die in der Haushaltsbefragung (HH) erfassten Arbeitsplatzgewinne waren unterdessen wesentlich schwächer als die in den Lohn- und Gehaltsdaten ausgewiesenen (siehe Diagramm 2).

    Widersprüchliche Signale wie diese sind nicht neu, aber sie tragen zum unsicheren Ausblick für die Geldpolitik bei und erschweren die Marktpositionierung.

    Die Erfahrung zeigt, dass die Rückgänge der Beschäftigungs- und Inflationserwartungen in den verschiedenen Umfragen nur dann übereinstimmen, wenn die Wirtschaft in einen anhaltenden Abschwung, insbesondere eine Rezession, eingetreten ist.

    Dies bedeutet, dass die Auffassung, die Zinssätze sollten für längere Zeit höher bleiben, vorherrschen dürfte, bevor eine Lockerung der Geldpolitik ins Auge gefasst wird. Damit ein solcher Wandel eintritt, müssten sich die wichtigsten makroökonomischen Indikatoren folgendermaßen entwickeln:  

    • Unterdurchschnittliches BIP-Wachstum
    • Anstieg der Arbeitslosigkeit in Richtung der oder über die Gleichgewichtsquote (oder andere Signale für eine erhebliche Schwächung des Arbeitsmarktes, wie z. B. ein Nachlassen des Lohnwachstums)
    • Deutlicher und kontinuierlicher Rückgang der Kerninflation in Richtung der Zielrate von 2,0 %.  

    China – Aggressivere Lockerung

    In der Zwischenzeit setzt sich in China die uneinheitliche wirtschaftliche Erholung fort, während die politischen Entscheidungsträger weiterhin über die Frage zusätzlicher Unterstützung für den angeschlagenen Immobiliensektor grübeln.

    Die makroökonomischen Daten Chinas im Oktober zeigten beträchtliche Divergenzen zwischen den einzelnen Sektoren: Die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion wuchsen weiterhin moderat, die Anlageinvestitionen verlangsamten sich dagegen, was zum Teil auf eine weitere Verschlechterung im Immobiliensektor zurückzuführen ist.

    Während den jüngsten Daten zufolge das offizielle Wachstumsziel von 5,0 % in diesem Jahr erreicht werden könnte, glauben wir, dass Peking den Immobiliensektor stabilisieren muss, um zu verhindern, dass die Dynamik ins Stocken gerät. Es scheint, dass die Behörden entschlossenere Maßnahmen vorbereiten: Die chinesische Zentralbank erwägt, mindestens 1 Billion RMB für die Finanzierung von drei großen Immobilien- und Infrastrukturprojekten in Großstädten bereitzustellen.

    Ein solcher Schritt käme zu den kürzlich angekündigten öffentlichen Ausgaben in Höhe von 1 Billion RMB für den Rest des Jahres 2023 hinzu. Sollte es hart auf hart kommen, was jetzt der Fall zu sein scheint, hat die PBoC unserer Meinung nach einen großen Spielraum, um die Geldpolitik zu lockern, indem sie Schulden zur Finanzierung von Haushaltsausgaben monetarisiert.

    Trotz allen Geredes über eine Lockerung der Geldpolitik hat die PBoC ihre Bilanz während der Pandemie nicht aggressiv ausgeweitet, um die Wirtschaft anzukurbeln – im Gegensatz zu ihren Pendants in den Industrieländern (siehe Diagramm 3).

    Wenn Peking seine entschlossene Politik in den kommenden Monaten beibehalten, das Vertrauen wiederherstellen und die Märkte davon überzeugen kann, dass sich der Ausblick verbessert, besteht unserer Meinung nach eine gute Chance auf eine nachhaltige Erholung des chinesischen BIP-Wachstums und der Aktienbewertungen im Jahr 2024. Andernfalls könnte das Wachstum auf niedrigem Niveau verharren und die Vermögenspreise stark belasten.

    Wenig Spielraum für Fehler

    Angesichts eines derartig umfassenden prekären makroökonomischen und politischen Hintergrunds gibt es wenig Spielraum für Fehler bei der Marktpositionierung.

    Wir tendieren zu einer defensiven Haltung, indem wir Staatsanleihen gegenüber Aktien bevorzugen, bis sich die wirtschaftliche und politische Dynamik wieder ändert, oder zumindest bis sich der Nebel lichtet.

    Rechtshinweis

    Bitte beachten Sie, dass diese Artikel eine fachspezifische Sprache enthalten können. Aus diesem Grund können sie für Leser ohne berufliche Anlageerfahrung nicht geeignet sein. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein. Private Assets sind Anlagemöglichkeiten, die über öffentliche Märkte wie Börsen nicht verfügbar sind. Sie ermöglichen es Anlegern, direkt von langfristigen Anlagethemen zu profitieren, und können Zugang zu spezialisierten Sektoren oder Branchen wie Infrastruktur, Immobilien, Private Equity und anderen Alternativen bieten, die mit traditionellen Mitteln schwer zugänglich sind. Private Assets bedürfen jedoch einer sorgfältigen Abwägung, da sie in der Regel ein hohes Mindestanlageniveau aufweisen und komplex und illiquide sein können.

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